Mit dem Open6GHub+ hat ein neuer nationaler Transferhub für die kommende Mobilfunkgeneration 6G seine Arbeit aufgenommen – mit dabei die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Ziel ist es, wissenschaftliche Ergebnisse schneller in konkrete Anwendungen, technische Standards und marktfähige Produkte zu überführen. Die FAU übernimmt zentrale Aufgaben in den Bereichen Sicherheit, Zuverlässigkeit und Modemtechnologie und erhält dafür eine Förderung in Höhe von 1,65 Millionen Euro.
FAU übernimmt zentrale Missionen
An der FAU leiten Prof. Dr. Norman Franchi vom Lehrstuhl für Intelligente Technische Elektronik und Systeme (LITES) und Prof. Dr. Martin Vossiek vom Lehrstuhl für Hochfrequenztechnik (LHFT) die Forschungs- und Transferaktivitäten. Innerhalb des Open6GHub+koordiniert die FAU den Themenkomplex Vertrauenswürdigkeit und Sicherheit von 6G-Netzen sowie zur Entwicklung eines 6G-Funkmodems „Made in Europe“.
Die FAU setzt dabei auf eine starke Integration autonomer Netzwerke und moderner Kommunikationsprotokolle, um die Zuverlässigkeit und Effizienz der Netze auch in Krisensituationen sicherzustellen. Zur Erprobung der entwickelten Technologien und deren Umsetzbarkeit betreiben die beiden Lehrstühle OpenLabs auf dem Campus Erlangen Süd der FAU. Zudem arbeiten die Lehrstühle eng mit internationalen Standardisierungsgremien zusammen, um die zukünftigen Kommunikationsstandards aktiv mitzugestalten.
„Unser Ziel ist es, einen entscheidenden Beitrag bei der Überführung der 6G-Technologie in die Anwendung zu leisten. Dabei geht es nicht nur um die Erhöhung der Geschwindigkeit und die stabile Konnektivität der Kommunikation, sondern um die Entwicklung von Netzwerken, die sicher, resilient und vertrauenswürdig sind“, erklärt Prof. Dr. Norman Franchi, der das Projekt an der FAU koordiniert. „Außerdem wollen wir das bereits erworbene Know-how in die Entwicklung eines europäischen Modems einbringen, um die Unabhängigkeit in der Kommunikationstechnik voranzutreiben. Durch unsere praxisnahe Forschung und die enge Zusammenarbeit mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie leisten wir im Open6GHub+ einen entscheidenden Beitrag zur anwendungsnahen Umsetzung der 6G-Technologie.“
6G: Mehr als schneller Mobilfunk
Die sechste Mobilfunkgeneration 6G soll künftig nicht nur deutlich höhere Datenraten ermöglichen. Sie bildet die Grundlage für vernetzte Industrieanlagen, autonome Fahrzeuge, digitale Landwirtschaft oder intelligente Energienetze. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Sicherheit, Ausfallschutz und Verlässlichkeit der Netze.
Ein Schwerpunkt von Open6GHub+ liegt auf der Integration künstlicher Intelligenz in 6G. Das Konsortium entwickelt KI-basierte Netzfunktionen und nutzt generative sowie hybride KI, um zukünftige Mobilfunktechnologien schneller zu entwerfen, zu implementieren und zu spezifizieren. Ergänzend entstehen KI-basierte digitale Zwillinge von Netzen und Anwendungen, mit denen sich neue Dienste testen und optimieren lassen, bevor sie in der Realität ausgerollt werden.
Darüber hinaus vernetzt Open6GHub+ bodengebundene Netze mit Drohnen und nicht-terrestrischen Plattformen zu sogenannten 3D-Netzen. So entsteht eine allgegenwärtige, resiliente Konnektivität, die auch dann zuverlässig funktioniert, wenn klassische Mobilfunknetze an ihre Grenzen stoßen – etwa in der Landwirtschaft, in der Logistik oder bei kritischen Infrastrukturen. Weitere Schwerpunkte liegen in der Grundlagenlegung für intelligente 6G-Modems „Made in Europe“ in den Bereichen Endgeräte und NTN sowie für autonome 6G-Subnetze. Diese erfüllen anwendungsbedingt sehr hohe Anforderungen in Bezug auf Resilienz, Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit.
Starkes Konsortium für die Zukunftstechnologie
Open6GHub+ wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert und ist Teil des nationalen 6G-Programms der Bundesregierung. Das Vorhaben knüpft an die Arbeiten des erfolgreich abgeschlossenen Forschungsprojekts Open6GHub an und legt nun den Schwerpunkt auf die praktische Umsetzung. Damit soll sichergestellt werden, dass neue Erkenntnisse aus der Forschung frühzeitig in industrielle Anwendungen fließen. Ergänzt wird das Vorhaben durch 6G-SENSORIA, das vom Bayerischen Wirtschaftsministerium gefördert wird, und regionale Spezifikationen und Partner einbezieht.
Neben der FAU gehören dem Konsortium das Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie die Universitäten Darmstadt, Bremen, Stuttgart und Kaiserslautern-Landau an.
Weitere Informationen:
Dr. Eva Russwurm
Lehrstuhl für Intelligente Technische Elektronik und Systeme (LITES)
eva.russwurm@fau.de
